Start News DHS-Factsheet: Binge-Drinking und Alkoholvergiftungen (November 2009)
DHS-Factsheet: Binge-Drinking und Alkoholvergiftungen (November 2009) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr.Lawicki / Quelle. DHS   
Donnerstag, den 31. Dezember 2009 um 10:19 Uhr

DHS-Factsheet: Binge-Drinking und Alkoholvergiftungen (November 2009): Zahlen und Fakten, Defintionen, gesundheitliche und soziale Folgen, Verbreitung, Gründe und Hintergründe für exzessiven Alkoholkonsum, sinnvolle Präventionsmaßnamen und Intervention. Nutzen Sie das Factsheet für die Aufklärung und Beratung in der Bundeswehr.

Das Trinken großer Mengen Alkohol in kurzer Zeit ist kein neues Phänomen. Es existiert nicht erst seitdem sich der Begriff Binge-Drinking in Deutschland durchgesetzt hat. Die Dramatik des tödlichen Ausgangs von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen hat in der Öffentlichkeit dazu geführt, dass das Trinken großer Mengen Alkohols vor allem als Problem der Jugend wahrgenommen wird. Für die sensationsorientierte Berichterstattung eignen sich Extremsituation und Alkoholexzesse zur Auflagesteigerung. Tatsächlich kann man jedoch bei Volksfesten oder in der Karnevalszeit und bei vielen weiteren Gelegenheiten erleben, dass vor allem Erwachsene jede Gelegenheit nutzen, Alkohol zu trinken, häufig bis zum Rausch. Übermäßiger Alkoholkonsum ist kein spezifisches Problem der Jugend, sondern eines, das große Teile der Gesellschaft quer durch alle sozialen Schichten betrifft.

Zahlen und Fakten auf einen Blick

  • Definition: Binge-Drinking
    In Deutschland wird der Konsum von fünf oder mehr Gläsern eines alkoholischen Getränks bei einer Trink- gelegenheit als Binge-Drinking definiert. Ein Glas enthält ca. 10-12g reinen Alkohol. Diese Alkoholmenge findet sich bei den in Deutschland typischen Glasgrößen jeweils in einem kleinen Glas Wein (0,125 l), in einem kleinen Glas Bier (0,33 l) oder in einem Schnapsglas (0,04 l). Die „Empfehlungen des wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS zu Grenzwerten für den Konsum alkoholischer Getränke“ spezifizieren noch einmal den Konsum für Männer (fünf Gläser und mehr) und für Frauen (vier Gläser und mehr) mit je etwa 10g Alkohol bei einer Trinkepisode (BZgA 2009; DHS 2008).
  • Die Substanz Alkohol
    Alkohol ist ein Zellgift, das Körperorgane und Nervenzellen schädigt. Alkoholkonsum ist verantwortlich für über 60 verschiedene Krankheiten und stellt nach Tabakkonsum und Bluthochdruck das dritthöchste Risiko für Krankheit und Tod dar (Babor et al. 2005; Anderson & Baumberg 2006).
  • Mortalität
    Jeder vierte Mann, der im Alter zwischen 35 und 65 Jahren stirbt, stirbt an den Folgen von Alkoholkonsum. Chronischer Alkoholmissbrauch verkürzt die Lebenserwartung um durchschnittlich 23 Jahre (Gesundheitsbericht für Deutschland 1998).
  • Alkoholvergiftungen
    Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Alkoholvergiftungen ist seit 2000 in allen Altersgruppen gestiegen. Bei den 10- bis 20-Jährigen betrug die Steigerung mehr als 100 Prozent zwischen den Jahren 2000 und 2007 (Statistisches Bundesamt 2000-2007). • Erstkonsum und erster Rausch Alkohol wird in Deutschland im Durchschnitt erstmalig im Alter von 13,2 Jahren konsumiert. Den ersten Rausch haben Jugendliche mit ca. 13,9 Jahren (Settertobulte & Richter 2007).
  • Konsummenge
    Jede/r Deutsche, einschließlich Säuglingen und Greisen, hat in diesem Jahrzehnt jährlich ca. 10 Liter Reinalkohol konsumiert (DHS 2009).
  • Jugendlicher Alkoholkonsum und Bildung
    Bei der Konsumhäufigkeit lassen sich kaum Unterschiede zwischen den Jugendlichen der unterschiedlichen Schulformen finden. Jedoch sind riskante Konsummuster unter Haupt- und Gesamtschülern weiter verbreitet als bei Gymnasiasten (BZgA 2009).
  • Alkoholwerbung
    Die Ausgaben für Alkoholwerbung und –sponsoring betragen in Deutschland über 1 Mrd. Euro. Alkohol- und Marketingindustrie setzen besonders auf die so genannte Imagewerbung. Sie ist bei Kindern und Jugendlichen erfolgreicher als reine Produktwerbung (DHS 2008). Alkoholwerbung wirkt sich steigernd auf den Alkoholkonsum von Jugendlichen aus (Anderson 2007).
  • Preis / Steuern
    Die Steuern auf alkoholische Getränke (Bier, Schaumwein, Spirituosen) sind in Deutschland seit 27 Jahren nicht erhöht worden, obwohl sich Preisgestaltung als besonders wirksam erwiesen hat, um alkoholbedingte Schädigungen zu senken. Höhere Preise für alkoholische Getränke wirken sich protektiv aus für Jugendliche und Menschen, die viel Alkohol trinken (Chisholm et al. 2009; RAND Europe 2009).

 

Mehr dazu im Factshet der DHS vom November 2009

>> Das Factsheet liegt als pdf-Datei vor und kann hier herunter geladen werden


Quelle:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

 
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