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Einblick in die Suchtprävention der Bundeswehr PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr.Lawicki   

Suchtprävention hat in der Bundeswehr einen hohen Stellenwert. Das Bundesministerium der Verteidigung hat im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und der gesundheitlichen Prävention die Suchtprävention als einen prioritären Themenbereich festgelegt. Diese hat zum Ziel, die Gesundheit der Bundeswehrangehörigen zu fördern, Abstinenz zu erhalten sowie Missbrauch von legalen und illegalen Suchtmitteln zu verhindern. Durch konkrete Massnahmen und eine strukturelle Verankerung wird Suchtprävention in der Bundeswehr als ein dauerhafter und nachhaltiger Prozess gestaltet. Sie umfasst Aufklärung sowie die Aus- und Weiterbildung von Multiplikatoren und Vorgesetzten.

In diesem präventiven Ansatz arbeiten der Sanitätsdienst der Bundeswehr, der psychologische Dienst, der Sozialdienst, die Militärseelsorge, zivile Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen (wie z. B. Soldatenselbsthilfe gegen Sucht e. V.) sowie die Streitkräfte in einem psychosozialen Netzwerk auf Standortebene zusammen. Dieses Netzwerk bietet Soldatinnen und Soldaten, zivilen Mitarbeiterinnenund Mitarbeitern, deren Angehörigen sowie den Vorgesetzten Beratung und Unterstützung an.

Durch die Förderung von interaktiven Angeboten (z. B. Nichtraucherseminare), die ein aktives Mitgestalten und Weiterentwickeln ermöglichen, werden die Bundeswehrangehörigen mehr als bisher erreicht und vorhandene Ressourcen gestärkt. Künftig soll in der Präventionsarbeit zudem stärker auf polyvalente und riskante Konsummuster eingegangen werden, da die Trennung von legalen und illegalen Drogen immer weniger dem realen Konsumverhalten, insbesondere von jungen Erwachsenen, entspricht. Die Soldatinnen und Soldaten werden bereits in der Grundausbildung offensiv mit dieser Thematik konfrontiert und unmissverständlich darüber belehrt, dass Missbrauch von legalen und illegalen Suchtmitteln in der Bundeswehr nicht geduldet wird und auch mit den Mitteln des Disziplinar- und Statusrechts sanktioniert wird.

Die Aufklärung über die Gefahren von Sucht und das Stärken des Abwehrverhaltens erfolgt nach der Grundausbildung in Form von Belehrungen, Unterrichtungen, Aktionen, Broschüren, Plakaten und digitalen Medien. Die Weiterentwicklung einer auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Bundeswehrangehörigen ausgerichteten Gesundheitskommunikation (z. B. CD-ROM "Suchtprävention in der Bundeswehr", Internetauftritt, Printmedien) stellt dabei einen Schwerpunkt dar.

Das im Jahr 2000 am Zentrum Innere Führung geschaffene "Dokumentationszentrum zur Suchtprävention und -bekämpfung" steht allen Dienststellen der Bundeswehr als die zentrale Informationsstelle für Fragen der Suchtprävention und -bekämpfung zur Verfügung. In zahlreichen Lehrgängen wird dem Führungspersonal der Bundeswehr Handlungssicherheit im Umgang mit Suchtkranken vermittelt.

Der Sozialdienst der Bundeswehr bietet den Angehörigen der Bundeswehr durch seine Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter flächendeckend in Deutschland und an bestimmten Auslandsstandorten Beratung und Betreuung in persönlichen Angelegenheiten an.

Im Psychologischen Dienst der Bundeswehr arbeiten approbierte Klinische Psychologinnen und Psychologen diagnostisch und therapeutisch auch zur Vorbeugung von Rückfällen, insbesondere bei Suchterkrankungen. Im Rahmen der Ausbildung von Truppenpsychologinnen und Truppenpsychologen und bei der fachlichen Aus- und Fortbildung des Psychologischen Dienstes der Bundeswehr ist das Thema "Drogen- und Suchtprävention" ein integraler Bestandteil. Weiter werden Wehrpsychologinnen und Wehrpsychologen insgesamt befähigt, zu dieser Thematik mit fachlichem Schwerpunkt anforderungsgerecht vorzutragen, zu beraten (Führungs- und Einzelfallberatung) sowie fachlich im Rahmen der primären Prävention zu unterstützen. Das findet sowohl im Auslandseinsatz als auch an den Heimatstandorten statt und kommt auch im psychosozialen Netzwerk zum Tragen.

Die Soldatenselbsthilfe gegen Sucht e. V., eine ehrenamtliche Einrichtung zur Betreuung, Beratung und Begleitung von alkoholkranken Angehörigen der Bundeswehr und deren Familien, hat die fachliche Aus- und Weiterbildung ihrer Suchtkrankenhelferinnen und -helfer kontinuierlich fortgesetzt; diese stehen in zahlreichen Standorten als Ansprechpartner zur Verfügung und können auch zur Präventionsarbeit herangezogen werden.

Das Bundesnichtraucherschutzgesetz vom 20. Juli 2007 wurde für die Bundeswehr mit dem Erlass "Schutz der nichtrauchenden Personen vor Passivrauchen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung" mit Inkraftsetzung zum 1. September 2007 umfassend umgesetzt. Begleitend dazu ist für das Jahr 2008 geplant, auf der Grundlage eines erfolgreich durchgeführten Pilotprojekts Nichtraucherseminare an allen größeren Standorten der Bundeswehr mit dem Ziel durchzuführen, Raucher in der Bundeswehr zum Verzicht auf das Rauchen zu bewegen.

In den Auslandseinsätzen der Bundeswehr wird der Drogen- und Suchtprävention besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In der den Einsatz vorbereitenden Ausbildung wird diese Problematik deutlich thematisiert.Die Erlaubnis zum begrenzten Alkoholkonsum wird in allen Einsatzkontingenten sehr sorgfältig gehandhabt und der Konsum entsprechend kontrolliert. Darüber hinaus enthält das Warenangebot der Marketenderläden in den Einsatzkontingenten seit dem 1. Februar 2007 grundsätzlich keine hochprozentigen Spirituosen (über 18 % Alkoholanteil) mehr.Der Schutz nichtrauchender Personen vor Passivrauchen wird im Auslandseinsatz im Sinne der geltenden Erlasslage sichergestellt. Der Drogenmissbrauch ist in den Einsatzkontingenten eher unauffällig. In 2007 wurden in den gesamten Einsatzkontingenten nur drei Fälle von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz bekannt. Insgesamt ist festzustellen, dass die durchgeführten Maßnahmen greifen.

Die aus dem Meldeaufkommen ersichtliche Tendenz zu Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ist in der Bundeswehr seit Jahren stark rückläufig und lag 2007 - nicht nur absolut, sondern auch bezogen auf die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten - auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren.

 

 
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